Dramamine, Pttrns und Tubers: Dreimal Noise- und Postrock im Schnelldurchlauf

This entry was posted on 2.04.2010

Wer gedacht hätte, dass Noise- und Postrock vom Aussterben bedrohte Genres, kann sich hier eines besseren belehren lassen. Dramamine, Pttrns und Tubers stellen in diesem Frühjahr drei hervorragende Platten vor.

DRAMAMINE

Endlich mal wieder eine Noiserock-Platte. Das Debüt von Dramamine ist irgendwo zwischen den Wipers und Dischord-Records angesiedelt. Von den Wipers hat man sich die Sologitarre abgeguckt, von Dischord den Gesang. Tatsächlich: Man könnte sich vorstellen, dass das Album eine Wiederveröffentlichung eines alten Demos ist. Die Platte hat einen sehr charmanten dumpfen Sound. Wo andere Wert darauf legen, dass die Musik sehr klar rüberkommt, haben Dramamine bewusst einen anderen Weg gewählt. Ein sehr schickes Album. (Sabotage)

PTTRNS – ‘Science Piñata’

In New York ist das ganz normal, das Plattenläden Indierock, Afrobeat und Dancefloor gleichermaßen anbieten. Deshalb tauchen dort auch Bands wie die schmerzlich vermissten Supersystem oder die allerdings schrecklich überbewerteten Vampire Weekend auf. In Deutschland fehlt so eine Kultur, da sind sich die verschiedenen Genres fremd. Und dann taucht da eine Band wie Pttrns auf, die bisher nur ein paar 7″s und eine Split-CD veröffentlicht hat und nun mit dem Full-Length-Debüt ‘Science Piñata’ erstmal auffällt. Aber gleich so richtig. Pttrns nehmen deutliche Anleihen bei Supersystem, sind dabei vielleicht nicht ganz so konsequent, aber ähnlich gut. Über einen extrem tanzbaren Beat werden Indiegitarren gelegt, die Musik ist hoch melodisch und postpunkig kratzbürstig. Das Trio unternimmt mal einen Ausflug in Richtung Dub, später wechselt der Sänger wie bei Disco-Bands in höhere Stimmlagen. Das Info nennt ‘Science Piñata’ ” a thinking man’s dance album”. Besser kann man die Platte nicht so zusammenfassen. Mir bleibt noch hinzuufügen: Große Platte! Wer in diesem Früjahr nur ein Album kauft, sollte dieses nehmen. (Altin Village)

TUBERS – ‘Anachronous’

Noch eine gute Noiserock-CD in diesem Monat. Da hätte man eigentlich gedacht, das Genre wäre vom Aussterben bedroht, und dann gibt es gleiche eine ganze Reihe guter Platten. Dabei darf man sich hier nicht vom Label täuschen lassen: No Idea würde man ja eher mit Punkrock in Verbindung bringen. Die Tubers sind hingegen ein Band, die sich so auch in den späten Achtzigern in Washington DC hätten gründen können. Man könnte nun Fugazi nennen, das wäre die offensichtliche Parallele. Immerhin gibt es hier ganz passend auch zwei Sänger, die einzelne Sätze herausschreien. Aber auch der Rest der damaligen Dischord-Besetzung passt als Vergleich – immerhin ist ‘Anachronous’ manchmal durchaus so melodiös wie ein Gray-Matter-Album. Empfehlung. (No Idea)

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