Seun Kuti knüpft mit „Many Things“ an die Werke seines Vaters Fela Kuti an

This entry was posted on 1.06.2009

Ein kleiner Überblick über die Familie Kuti mag hier notwendig sein: Fela Kuti ist der Mann, mit dem Afrobeat einst berühmt wurde, der genauso funkig wie jazzig war und ein Genre prägte, dass heute beispielsweise all die hippen Bands in Williamsburg, Brooklyn, prägt. Sein ältester Sohn Femi zieht seit zwei Jahrzehnten sein eigenes musikalisches Ding. Und nun ist da auch noch Seun, der jüngste der Kutis. Keine Sorge, von dem muss man noch nicht gehört haben. ‚Many Things‘ ist sein Debütalbum. Aber ein ganz erstaunliches. Schon sehr früh hat der heute 27-Jährige mit Egypt 80, der Backing Band des Vaters, gespielt. Nach dem Tod übernahm er die Rolle des Bandleaders. Ein Album aber ließ auf sich warten. Was Seun Kuti jetzt vorlegt, ist aber in vielerlei Hinsicht eine perfekte Platte. ‚Many Things‘ ist wütend – so wütend wie auch die Musik des Vaters, der sehr offen die Politik in Nigeria kritisierte. Songtitel wie ‚Don’t Give That Shit To Me‘, ‚African Problems‘ oder ‚Think Africa‘ zeigen schon, in welche Richtung das hier geht. Kuti übt Gesellschaftskritik, wie sie im Punkrock heute selten noch vorkommt. Die Musik selbst ist trotzdem funky, intensiv, tanzbar. Das macht schon der Bass deutlich, der nach wenigen Sekunden einsetzt. Und spätestens die Bläsersätze zeigen, in welche Richtung dieses Album geht. Merke: Politische Musik darf durchaus Spaß machen. Sehr viel Spaß. In ‚Many Things‘ gibt es bis ins kleinste Detail viel zu entdecken: diese schnellen, flirrenden Bassrhythmen etwa oder die Gitarre, die sich etwas im Hintergrund hält, aber gleichzeitig einen Rhythmus vorgibt und den melodisch ist. Darüber liegen dann die offensichtlichen Elemente: Bläser und der Call-and-Response-Gesang. Es ist kein Wunder, dass das handwerklich so gut gemacht ist – mit Ausnahme des Bassisten besteht die Band immer noch aus Felas Musikern. ‚Many Things‘ ist das wohl aufregendste Album der letzten Zeit. Ein Album, das an die Traditionen des Vaters anknüpft und den Sohn zugleich als ernstzunehmenden Musiker etabliert. (Tot Ou Tard / Indigo)

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