Bassekou Kouyate im Kesselhaus: Purer Rock′N′Roll aus Mali

This entry was posted on 30.04.2009

Irgendwann, mitten im Konzert, weiß der Zuschauer plötzlich nicht mehr, wo er hinschauen soll. Musikalischer Mittelpunkt ist natürlich Bassekou Kouyate, der eindeutige Chef seiner Band. Währenddessen aber zeigt hinten der Percussionist die wildesten Tanzschritte. Spätestens da wird klar: Die Show der Band aus Mali in der Berliner Kulturbrauerei ist eines der besten Konzerte in diesem Frühjahr.

Ein bisschen sitzt Bassekou Kouyate mit seiner Musik zwischen den Stühlen. Einerseits beruft sich der Musiker eindeutig auf die Traditionen malischer Klänge: Es gibt auf seinem Debüt-Album “Segu Blue” nur einmal eine Gitarre und sonst keine weiteren “westlichen” Instrumente.

Andererseits ist diese Musik Vorläufer des Blues, und die Ngoni – ein viersaitiges Instrument – eine Verwandte des Banjos. Kouyate ist sich dessen bewusst: Er greift bewusst westliche Fortentwicklungen afrikanischer Klänge auf.

Die Ngonis, die beim Konzert zum Einsatz kommen, sind beispielsweise allesamt elektrisch verstärkt. Immer wieder geben seine Bandmitglieder dem Soundmann Zeichen, welches Instrument er lauter oder leiser stellen soll, um so ganz bewusst Akzente zu setzen.

Mit unserer Vorstellung traditioneller afrikanischer Klänge hat das natürlich nichts zu tun. Dieses Konzert ist purer Rock’N'Roll. Und am Schluss schickt Kouyate seine Klänge sogar durch ein WahWah-Pedal – man kommt nicht umhin, an Jimi Hendrix zu denken.

Aber auch das verkürzt die Klänge der Band unzulänglich. Der Gesang von Kouyates Ehefrau Ami ist nämlich “afrikanisch”, die Gruppe beruft sich da eindeutig auf die Tradition der Griots, westafrikanischer Musiker, die mit ihren Liedern Geschichten erzählen und so Kultur weitergeben.

Beim Konzert in Berlin kommt das zwangsläufig ein wenig zu kurz: Kouyate erklärt einige Stücke auf Französisch, dann versucht er sich radebrechend in Englisch. CD-Käufer sind da eindeutig im Vorteil: Dort werden die Songs erläutert.

Dafür stehen das Live-Erlebnis an diesem Abend im Vordergrund. Halb scherzhaft, halb ernst übt sich die Backing Band in seltsamsten Tanzformationen. Unglaublich, welche Verrenkungen der Percussionist hinbekommt, ohne seine Trommel fallen zu lassen! Das mag eingeübt sein, aber selbst seine Mitmusiker bestaunen das Treiben lachend.

Im Vordergrund spielt Kouyate währenddessen Soli, auf die die meisten Gitarristen neidisch sein dürften. Erwähnten wir schon, dass dies eines der besten Konzerte dieses Frühjahrs gewesen sein dürfte?

Der Text ist am 30. April im Oranienburger Generalanzeiger erschienen.

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